Zur Person.
Die Lehre.
Sieben Schritte ....
7 Schritte - Einleitung.
Der 1. Schritt.
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Kapitelübersicht
Sieben Schritte zum Aufwachen - der 1. Schritt
1) Die Wünsche und Ziele erkennen
Der erste Schritt besteht darin, dir immer wieder Rechenschaft abzugeben über deine Wünsche und Ziele. Anhand einiger Fragen kannst Du diese erforschen:
Was will ich?
Was ist mir wirklich wichtig?
Worin besteht der Sinn meines Lebens?
Was wäre so wichtig, dass ich dafür mein Leben einsetzen würde?
Anhand dessen, was Du tust und was sich in deinem Leben abspielt, kannst Du oftmals indirekt entdecken und - wenn Du ehrlich und offen bist – erforschen, welche Ziele dein Leben und den Fluss deines Lebens bestimmen. Es können bewusste oder unterbewusste, allgemeine oder spezielle Ziele auftauchen. Es gibt materielle, psychische und geistige Ziele: ein neues Auto, der Wunsch nach Sicherheit und Anerkennung oder ein Bedürfnis nach Zusammenhang und Erklärung als ein geistiges Anliegen.
Du kannst deine Wünsche, deine Vorlieben, dein Anhaften untersuchen und dich fragen: „Wo und für was verkaufe ich mich?“
Es gibt zwei wichtige Fragen, die dir helfen zu entdecken, ob Du dich für einen Wunsch verkaufst oder an etwas anhaftest: „Was bin ich bereit dafür aufzugeben?“ Du kannst dich auch fragen: „Was würde ich dafür hergeben?“ Die tiefer führende Frage lautet dann: „Was will ich damit erreichen? Wenn ich es erreicht habe, was soll es mir geben?“ Als Antwort zeigt sich der Wunsch hinter dem Wunsch, die Intention des Wunsches.
Der Mensch leidet darunter, dass er sich der Ziele und Wünsche seines Lebens nicht bewusst ist, mehr noch, dass diese Ziele sich ständig widersprechen und Konflikte erzeugen. Es ist heilsam, sich zu fragen: „Was ist mir wirklich wichtig? Was ist mir so wichtig, dass ich bereit wäre, dafür mein Leben einzusetzen?“
Was aber könnte wichtiger sein, als zu erkennen, wer Du wirklich bist, und als Frieden und Freiheit zu finden? Was aber könnte wichtiger sein, als der Wunsch das Leid zu beenden? Was bewegender als die Sehnsucht nach Frieden und Liebe? Wenn dir Freiheit, Frieden und Liebe wichtiger sind als alles andere, bist Du in der Lage die normalen Konditionierungen zu beenden. Erst, wenn Du aufhörst, dem Angenehmen hinterher zu rennen und den Schmerz und die Angst zurückzuweisen, wirst Du in der Lage sein deine Konditionierungen zu beenden. Nur dann. Solange Du – bewusst oder unterbewusst - immer damit befasst bist, das Angenehme zu wollen und dem Unangenehmen zu entkommen, wirst Du beständig im Kampf mit dem sein, was ist. Wenn Du den Kampf beendest und das, was ist, annimmst, breitet sich Frieden aus.
2) Die Realisierbarkeit der Freiheit erkennen
Viele Menschen sind auf der Suche. Der Traum von der Freiheit und das innere Wissen, dass es ein Zuhause-Ankommen für den Menschen gibt, ist so alt wie die Menschheit selbst. Diese Sehnsucht ist auch der Motor für die Erforschung dieser Erde und des Weltalls. Die Menschen sehnen sich nach dem Mond und meinen das eigene Herz. Sie fliegen zum Mars und suchen das Zuhause nicht im eigenen Innern, das zugleich die Unendlichkeit ist; eine Unendlichkeit, die nicht in Lichtjahren gemessen werden kann.
So alt dieser Traum und dieses Wissen ist, so sehr wurde er immer wieder in weite Ferne gerückt. Viele Menschen leben in dem Glauben, sich in Dutzenden, Hunderten von Leben auf dieser Erde langsam entwickeln zu müssen und der Erleuchtung oder Befreiung entgegenarbeiten zu müssen. Oder sie glauben, Befreiung im Leben wäre gar nicht möglich, sondern erst in einer jenseitigen Existenz nach dem Tode.
Immer wieder gab es Lehrer wie den erwachten jüdischen Lehrer aus Nazareth, der lehrte: „Das Himmelreich ist jetzt. Es ist in euch.“1 Und weil er die Sehnsucht der Menschen nach äußerer Freiheit und äußeren Göttern kannte, sagte er: „Ihr werdet das Himmelreich nicht an äußeren Zeichen erkennen.“2
Seine Worte waren: „Ihr werdet Gleiches und Größeres vollbringen als ich.“ Und er fragte: „Heißt es nicht in Eurem Gesetz: Ich habe gesagt, Ihr seid Götter?“3
Es ist jetzt. Es ist in dir. Es hängt nicht von äußeren Umständen ab. Das ist die ewige Wahrheit, die immer wieder gelehrt und immer wieder vergessen wird.
Aber erst, wenn ein Wunsch realisierbar und erreichbar erscheint, mobilisiert er Energie, richtet der Wunsch das Leben auf diese Sehnsucht hin aus. Was soll ein Traum, wenn der Glauben weiter besteht, dass er entweder nur von einer Handvoll Buddhas, vornehmlich angesiedelt im Himalaja, oder - wenn überhaupt - erst nach unzähligen Inkarnationen Möglichkeit wird? Dann wird das Glück in Naheliegendem gesucht.
In den letzten fünfzehn Jahren hat sich dieser Traum verändert. Nicht der Wunsch nach Frieden und Freiheit hat sich verändert, denn dieser Traum ist unveränderlich in allen Zeiten und Kulturen. Die Verwirklichung des Traumes ist greifbar geworden. Gegenwärtig hat in vielen Ländern, auch in Deutschland, jeder die Möglichkeit, einen erwachten Menschen zu treffen oder einem erwachten spirituellen Lehrer zuzuhören. In Amerika kann es dir passieren, dass Du den erleuchteten Lehrern Eli Jackson-Bear oder Gangaji auf einem der Fernsehkanäle begegnest. Das Wissen um das Aufwachen ist auf eine noch nie da gewesene Weise verfügbar geworden. Es gibt sicher mehr als einen Grund dafür, dass heute das Aufwachen nicht nur für einige Wenige, weit entwickelte Menschen, sondern für jeden Menschen möglich ist.
So wird diese grundlegende Transformation für den Einzelnen immer deutlicher realisierbar. Solange Du denkst, dass das Aufwachen für dich in weiter Ferne liegt, setzt Du dich selber zusätzlich in Trance. Der Glaubenssatz des Unerreichbaren wirkt wie eine Suggestion, die deinen Tiefschlaf aufrecht erhalten kann.
Erst wenn das Aufwachen für dich realisierbar erscheint, mobilisierst Du die dafür erforderlichen Energien, und beginnst, die Sinnestäuschungen deines eigenen Verstandes zu durchschauen, die Trance zu beenden und Glaubenssätze auszulöschen. Du beginnst, der eigenen Erfahrung mehr zu vertrauen als den Gedanken.
Die inneren Hindernisse sind oft sehr subtil. Vielleicht weißt du, dass das Aufwachen geschieht und auch für dich möglich ist, aber im Inneren bist Du nicht wirklich überzeugt. Vielleicht weißt du, dass es niemand verdienen kann, und dennoch glaubst du, dass Du es weniger verdienst als andere. Oder Du glaubst, es nicht wert zu sein.
Diese tief verwurzelten Glaubenssätze stehen dem Aufwachen im Weg. Es sind fortwährende Suggestionen, die den Schlaf und den Traum aufrechterhalten. Die beiden letzten Torwächter am Tor der Freiheit, so heißt es, sind die Angst und der Zweifel.
3) Die Natur des Ich erkennen, das Wirkliche vom Unwirklichen unterscheiden, die Erfahrung im Jetzt
Vergangenheit und Zukunft sind Phantasien des Verstandes. Sie sind nicht wirklich. Das Wirkliche und das Unwirkliche gilt es zu erkennen und zu unterscheiden. Wirklich existent ist nur das Jetzt. Natürlich hat es zu anderen Zeitpunkten Ereignisse gegeben, aber alle Ereignisse geschahen immer im Jetzt. Außerhalb des Jetzt geschieht nichts. Phantasien, die Erinnerungen genannt werden, haben mit dem, was zu anderen Zeitpunkten ein Jetzt war, wenig gemeinsam. Vor allem gilt: Im Jetzt geschieht Erfahrung, die Erinnerungen sind Gedanken und Kommentare über die Erfahrung. Wie viel hat der Urlaubsprospekt mit dem Urlaub zu tun? Weil der Verstand ohne Unterbrechung Gedanken aneinander reiht, kennt der Mensch die reine Erfahrung üblicherweise nicht. Aus diesem Grund werden Kommentare über Erfahrung und Erfahrung selbst verwechselt. Erfahrung des Jetzt ist nicht das, was geschieht. Das Geschehen ist nur die Oberfläche, so wie das Geschenkpapier nicht das Geschenk ist. Die Erfahrung des Jetzt hat nichts mit der sinnlichen Erfahrung zu tun. Die Sinne erfassen das, was geschieht.
Die wirkliche Erfahrung ist tiefer als das, sie ist Unendlichkeit, Glückseligkeit, Lebendigkeit, Liebe und Stille.
Poonjaji erzählte die Geschichte: Eine kleine Welle fragt eine ganz große, alte Welle, die ganz offensichtlich von weit her kommt: „Gibt es einen Ozean?“ Die alte Welle lächelt und antwortet: „Gesehen habe ich ihn nicht, aber ich habe davon gehört.“ Wenn der Verstand still ist und wenn die sinnliche Wahrnehmung überschritten wird, kann die Unendlichkeit, kann Glückseligkeit, Lebendigkeit, Liebe und Stille erfahren werden. Dann ist sofort erkennbar, dass diese Erfahrung wirklich ist. Sie fängt nirgendwo an und hört nirgendwo auf. Sie braucht keinen Anlass und keinen Grund. Im selben Moment erscheint all das, was geschieht, wie der Regenbogen, nämlich nicht aus sich selbst lebendig und als flüchtige Erscheinung. Das ganze Reich der Gedanken und Phantasien, in dem die Menschen sich üblicherweise zu neunzig Prozent aufhalten, wird sofort als vollkommen unwirklich erkannt, als ausgedacht und eingebildet. Auf diese Weise fällt die eigene Geschichte weg und damit auch deine Identität. Es gibt kein Ich außerhalb gedanklicher Konstruktion.
Es ist sehr hilfreich, wenn die einzelnen Komponenten der inneren Wahrnehmung und des inneren Erlebens unterschieden werden. Die sinnliche Wahrnehmung setzt sich aus fünf Sinnen zusammen: sehen, hören, schmecken, riechen und tasten. Diese Wahrnehmung ist nach außen und nach innen gerichtet.
Dann gibt es die Gefühle und die Gedanken, die mehr oder weniger auf den Sinnen basieren. Die körperliche Bewusstheit des Atmens, die Bewusstheit der Empfindungen und der pulsierenden und strömenden Energie sind die Tür zur Seele, die Tür zur Wahrnehmung der Gefühle und die Erfahrung des Lebens. Der Atem führt dich hin zu deinen Gefühlen und, indem Du Gefühle erfährst und ganz fühlst, kann sich für dich die Tür zur Unendlichkeit öffnen.
Die Gewohnheit besteht darin, von den Gefühlen und inneren Erfahrungen zu den Gedanken, Bildern und „Erinnerungen“ zu wandern. In dieser Weise ergibt sich ein Hin und Her zwischen den Gefühlen und den Gedanken. Oft geschieht dies mit der zusätzlichen Frage: „Was kann ich bloß tun?“ Das verstandesmäßige Tun folgt der Richtung nach oben in den Kopf und nach außen in das Handeln.
Um das zu entdecken, was wirklich ist, muss die Aufmerksamkeit in die umgekehrte Richtung gelenkt werden, das heißt nach innen und nach unten. Der Weg, die Natur des Ich zu entdecken, führt über die Unterscheidung zwischen dem, was wirklich und dem was unwirklich ist. Richte die Aufmerksamkeit auf das, was näher an der Wirklichkeit ist. Verändere die Richtung, lenke sie anstatt nach oben und außen in die Tiefe und nach innen.
1 Die Luthersche Übersetzung dieser Stelle LK17,20-21 lautet korrekt: Das Reich Gottes ist inwendig in Euch. Interessanterweise wird sie in katholischen Übersetzungen fast immer als „Das Reich Gottes ist mitten unter Euch.“ wiedergegeben, womit das Wesentliche gerade verpasst wird und es so hingestellt wird, als ob nur in der einen Person Jesu und nicht in allen Menschen das Reich Gottes präsent wäre.
2 LK 17,20-21
3 Joh. 10,34. Hier bezieht sich Jesus auf den Psalm 82,6-7, wo es heißt: „Wohl habe ich gesagt: Ihr seid Götter, ihr alle seid Söhne des Höchsten.“
